Michl Müller mit „Ausfahrt freihalten“

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    guerster muellermichlGroßartige Stimmung beim Auftritt des fränkischen Kabarettisten

    Zum dritten Mal war Michl Müller, der selbst ernannte „Dreggsagg“ und bekannt von Ottis Schlachthof und der Fastnacht in Franken, im Wirtsstadl Gürster in Mitterfels-Scheibelsgrub zu Gast.

    Und wieder war der Stadl ausverkauft, wieder war von der ersten Minute an eine Mordsstimmung im Saal, wieder jubelten die Zuschauer ihrem Star zu.

    Der saust im Laufschritt über die Bühne – im Hintergrund sein jugendliches Konterfei – und erklärt auf seine ganz eigene Weise unter dem Motto „Ausfahrt freihalten“ den Menschen die Welt. Michl Müller – Markenzeichen „reden ohne Punkt und Komma“ – freut sich über die Erfolgsserie des FC Bayern, erinnert in Gedankenschnelle an andere aktuelle Großereignisse wie „25 Jahre deutsche Wiedervereinigung“ oder Auftritte von Helene Fischer, nennt in einem Atemzug den heißen Sommer, die Flüchtlingsströme und den VW-Abgas-Skandal. „Endlich ein neues Thema.“

    Blitzschnell wechselt Müller das Thema, schießt ebenso blitzschnell seine Pointen ab, spielt jede Szene mit dem ganzen Körper mit und das alles im schönsten „Frängisch“. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, spießt Menschliches und Allzumenschliches gnadenlos auf, aber immer mit einem heiteren Blick auf das Ganze und seinem erfrischend respektlosen Mundwerk. Seitenhiebe auf Promis dürfen nicht fehlen: Ilse Aigner kürt er zur Dirndlministerin, Ministerpräsident Horst Seehofer wird zum „größten bayerischen Windrad“ erklärt und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist das Panzerröschen.

    Der Michl Müller wundert sich über sündteuere Krötentunnel, durch die nie eine Kröte geschlüpft ist, ärgert sich über penetrante Rentner, Angler und Golfer, staunt über biedere Hausfrauen, die heute statt Tupperware Dildos und Dessous verkaufen und imitiert einen coolen Jugendlichen mit durchhängendem Hosenboden „he Alter ...!“. Urkomisch auch sein Sketch über ein allzumenschliches „dringendes Bedürfnis“ beim Stau auf der Autobahn. Auch über das Alter wird philosophiert: Wir werden immer toleranter, aber der Körper macht nicht mehr mit. Ein Tipp für Vegetarier: Werde Flexitarier und verzehre nur noch das Fleisch von überfahrenen Tieren. Müller prangert den Jugendwahn an, wundert sich über das Image von Kitas als „Institut für bessere Bildungschancen“ und nimmt natürlich auch das geliebte iPad und seine Benutzer ordentlich auf die Schippe.

    Ja, und dann sind da noch Müllers Protestlieder: über den „Schiffer“, der nicht über sieben Meere segelt, über die Ingwerreibe aus feinem Porzellan, und dann wird im Reggae-Takt gesungen und getanzt. Und weil man den Michl Müller angeblich von der Bühne prügeln muss, schenkt er dem Publikum nach drei Stunden seine bekanntesten Lieder von der Frankenfastnacht, und der ganze Saal singt und winkt begeistert mit.

     

    Bogener Zeitung, 09.10.2015, Bericht und Bild : erö

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