Warum es in Mitterfels "grad so zuageht"

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    Halbzeit: Vor dem Luftkurort liegen noch gut drei Monate B20-Umleitung

    "Mei, de Umleitung, gell, wia's da grad zuageht?" - beim Metzger, beim Bäcker oder an der Supermarktkasse: Die B20-Umleitung ist momentan in Mitterfels Gesprächsthema Nummer eins.

    So gut wie jeder Mitterfelser hat die Folgen des Schwerlastverkehrs bereits zu spüren bekommen, der seit April über die Marktgemeinde umgeleitet wird.

     

    Die gute Nachricht: Im Landratsamt ist man sich der enormen Belastung für die Bürger bewusst.

    Die schlechte: Recht viel kann dagegen nicht unternommen werden. Zuständig für den dreispurigen Ausbau ist das staatliche Straßenbauamt Passau. Und dort gab es für die Verantwortlichen keine Alternative zu dieser Umleitung. "Leider", wie Abteilungsleiter Kurt Stümpfl sagt.

     

    Wer sich momentan in Mitterfels über den Verkehr aufregen will, der muss gar nicht unbedingt direkt an der Ortsdurchfahrt wohnen. Es reicht schon, zur Rushhour links auf die Ortsdurchfahrt einbiegen zu müssen - eine Wartezeit von zehn Minuten ist da durchaus schon mal möglich. Und wer da steht und die Vierzigtonner an sich vorbeiziehen sieht, der kann erahnen, was die direkten Anwohner gerade mitmachen.

     

    Rund 9000 Fahrzeuge pro Tag rollen durch Mitterfels

     

    Etwa 5000 Fahrzeuge sind es, die normalerweise pro Tag durch Mitterfels rollen. "Das ist schon mal nicht wirklich wenig", wie Verkehrsreferatsleiter Franz Beyerl vom Landratsamt Straubing-Bogen zu- Bogen zugibt. Dazu kommt jetzt der B20-Verkehr. Etwa 8000 Fahrzeuge sind täglich auf der Bundesstraße zwischen Straubing und Cham unterwegs. Die Hälfte dieser 8000 Autos und Lastwagen fahren derzeit zusätzlich durch Mitterfels. "Dass das für die Mitterfelser eine extreme Belastung ist, ist uns bewusst und wir können verstehen, dass das gerade nicht leicht ist. Vor allem weil die Baumaßnahme noch bis Mitte Oktober dauert. Und das ist lang", sagt Beyerl. Wirklich etwas dagegen tun kann das Verkehrsreferat allerdings nicht.

    Der dreispurige Ausbau der B20 zwischen Steinach und Ascha ist eine staatliche Baumaßnahme und fällt deshalb nicht in die Zuständigkeit des Landratsamtes, sondern in die des staatlichen Bauamtes Passau, Servicestelle Deggendorf. Dort werden auch die Umleitungen geregelt. Abteilungsleiter Kurt Stümpfl weiß ebenso wie Beyerl um die Belastung, die diese Umleitung für die Mitterfelser mit sich bringt, erklärt aber die Hintergründe, die zu der Umleitung über Mitterfels geführt haben. "Wir überlegen uns natürlich vor jedem Baubeginn ganz genau, ob wir eine Umleitung brauchen und wenn ja, wie und wo diese verlaufen kann", erklärt Stümpfl. Im Fall der Baumaßnahme bei Asch haben die Verantwortlichen auch überlegt, den kompletten Verkehr trotz Bauarbeiten weiter auf der B20 laufen zu lassen. "Das war aber schon allein wegen des Arbeitsschutzes nicht möglich, weil das für die Arbeiter eine extreme Belastung gewesen wäre." Außerdem müssten die Baufirmen ungestört arbeiten können. Deshalb wurde entschieden, den Verkehr halbseitig umzuleiten.

     

    Zur Umleitungsstrecke gab es keine Alternative

    Als diese Entscheidung gefallen war, musste eine Umleitungsstrecke festgelegt werden. Leider habe es dabei nicht viele Alternativen gegeben, wie Stümpfl erklärt. „Bei staatlichen Baumaßnahmen versuchen wir immer über unser eigenens und kein untergeordnetes Straßennetz umzuleiten." Sowohl die Ortsdurchfahrt Mitterfels als auch die Straße nach Ascha sind Staatsstraßen. "Die liegen also in unserer Baulast. " So eine Umleitung hinterlasse Spuren und in der Regel ist das Staatsstraßennetz höher qualifiziert als beispielsweise ein Kreisstraßennetz, so Stümpfl. Heißt auf deutsch: Diese Straßen halten mehr aus. "Wenn wir den B20-Verkehr über eine Gemeindestraße umleiten, dann ist die nach einem viertel Jahr kaputt." Damit erklärt Stümpfl auch, warum eine Umleitung beispielsweise über die Orte Gschwendt und Ascha nicht infrage gekommen ist.

    Eine Umleitung über Pellham, Wolferszell und Ascha wäre allein aus Gemeindeverbindungs- und Kreisstraßen bestanden. Entstehen Schäden an diesen Straßen, müssen die erst an das Staatliche Bauamt gemeldet werden, dann erst können sie repariert werden. "Es geht schneller und unbürokratischer, wenn wir unser eigenes Straßennetz reparieren müssen. Und den Bürgermeistern dürfte das auch lieber sein. "

     

    Die Ortskundigen kennen die Schleichwege

    Damit könnte Stümpfl vermutlich recht haben. Denn wie sich am Beispiel B20-Umleitung bei Ascha gezeigt hat, kennen Ortskundige diesen "Schleichweg" über Pellham, Wolferszell, Gschwendt und Ascha nur zu gut - und benutzen ihn auch, was für die Mitterfelser wiederum eine kleine Entlastung wäre. Allerdings finden das die betroffenen Bürgermeister nicht ganz so gut. So merkte Aschas Bürgermeister Wolfgang Zirngibl kürzlich bei einer Baustellenbesichtigung auf der B20 an, dass in seinem Ort "zu manchen Zeiten richtiger Kolonnenbetrieb herrscht." Und die Gemeinde Steinach hat die Straße zwischen Pellharn und Wolferszell bereits gesperrt und nur noch für Anlieger freigegeben.

    Dennoch hätten viele diese Umleitungsvariante für die bessere gehalten, wie auch ein Anrufer der Redaktion mitteilte. Als Grund nennt der allerdings nicht das zu hohe Verkehrsaufkommen für den Luftkurort. Er findet die Strecke für den Schwerlastverkehr einfach zu gefährlich. Die Staatsstraße zwischen Mitterfels und Ascha ist kurvig und geht durch ein kurzes Waldstück. "Wenn ich da als Autofahrer hinter einem Lastwagen herfahre und ein anderer Lastwagen entgegenkommt, da wird es verdammt eng und mir Himmelangst", so der Anrufer. Wer die Strecke kennt, muss dem Anrufer Recht geben. Wie Franz Beyerl betont, gebe es da allerdings Möglichkeiten, den Verkehr zu regulieren. „In solchen Fällen sind wir auf die Hinweise durch die Polizei angewiesen“, erklärt er. Käme es in einem bestimmten Be reich gehäuft zu Unfällen, dann könne die Verkehrsbehörde eingreifen, indem beispielsweise Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Warnhinweise aufgestellt würden. Kurt Stümpfl warnt allerdings vor einer Überregulierung und dem berühmt berüchtigten Schilderwald. "Lastwagen dürfen auf der Umleitungsstrecke nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde fahren und jeder Verkehrsteilnehmer muss der Situation entsprechend fahren, das ist auf einer Umleitungsstrecke nicht anders als im normalen Straßenverkehr.

     

    Polizei macht derzeit mehr Geschwindigkeitskontrollen

    Um den betroffenen Bürgern die über sechs Monate dauernde Umleitungszeit etwas zu erleichtern, wurde laut Beyerl bereits vor Baubeginn einiges in Mitterfels getan. "Wir haben zwei Ampeln aufgestellt und die Gehwege abgesichert, damit die Lastwagen nicht darauf ausweichen können." Er weiß, dass es das für viele nicht sehr viel besser macht. "Wir bekommen natürlich Anrufe hier bei uns im Landratsamt" , erzählt er. Viele beschweren sich, weil ihnen die Lastwagen zu schnell durch die Ortschaft fahren. Die Polizei versuche deshalb, so oft wie möglich Geschwindigkeitskontrollen in Mitterfels durchzuführen. Allerdings hätten die ergeben, dass nur wenige wirklich zu schnell fahren. "Wir haben den Leuten vor Ort auch schon die Messergebnisse schwarz auf weiß gezeigt, weil sie es nicht geglaubt haben." Wenn ein Vierzigtonner mit Tempo 50 an einem vorbeifahre, komme einem das eben schneller vor als bei einem normalen Auto.

    Mittlerweile haben die Mitterfelser fast die Hälfte geschafft. Noch bis Mitte Oktober wird auf der B20 gebaut, und wie es aussieht, kann der Termin eingehalten werden. Bis dahin heißt es: Durchhalten. Die Ampeln dürfen die Mitterfelser danach übrigens behalten.

     

    Bericht und Bilder : Verena Lehner, SR-Tagblatt 29.6.2013

     

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