Die Josef-Schlicht-Medaille für Maria Birkeneder und den Arbeitskreis Heimatgeschichte
Die Preisträger Maria Birkeneder (rechts) und der Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels mit Franz Tosch, im Verein verantwortlich für das „Mitterfelser Magazin“ und den Internet-Auftritt, Vorsitzender Elisabeth Vogl, stellvertretender Vorsitzenden Cornelia Landstorfer, Schriftführerin Gertrud Graf sowie Robert Elsberger von der Sparkasse Niederbayern-Mitte (von rechts nach links). Die Bank hat den Landkreis beim Ankauf neuer Medaillen unterstützt. Zweite Reihe von rechts: Andreas Liebl, Bürgermeister von Mitterfels, Landrat Josef Laumer und seine Stellvertreter Andreas Aichinger, Martha Altweck-Glöbl und Barbara Unger. Foto: Alexandra Beck
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Die Josef-Schlicht-Medaille für Maria Birkeneder und den Arbeitskreis Heimatgeschichte

Heimat ist das große Ganze - Die Josef-Schlicht-Medaille ging dieses Jahr an zwei Preisträger: Ausgezeichnet wurden Maria Birkeneder aus Mitterfels und der Arbeitskreis für Heimatgeschichte Mitterfels

Es ist gute Tradition, dass nach der Jahresschlusssitzung des Kreistags die Josef-Schlicht-Medaille verliehen wird. „Hier werden Menschen ausgezeichnet, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise um unsere Heimat verdient gemacht haben. Sei es in den Bereichen Kultur, Brauchtum, Geschichte oder Heimat ganz allgemein“, sagte Landrat Josef Laumer in seiner Einführung zum Festakt im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Von 1977 bis 2024 hat der Landrat insgesamt 31 Persönlichkeiten (davon einen Verein) mit dieser Auszeichnung geehrt. Aktuell gibt es 14 lebende Preisträgerinnen und Preisträger.

Mit der Josef-Schlicht-Medaille 2025 ausgezeichnet wurden Maria Birkeneder sowie der Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels. In beiden Fällen sei die Entscheidung einstimmig in der Kreistagssitzung am 11. August getroffen worden.

Maria Birkeneder wurde für ihren langjährigen Einsatz für ihre Heimatgemeinde Mitterfels und für ihren Einsatz als Vorreiterin für den Fair-Trade-Handel ausgezeichnet, wie Laumer ausführte.

Die Laudatio für Maria Birkeneder hielt Bernhard Suttner, ehemaliger Kreisrat und langjähriger Landesvorsitzender der ÖDP und politischer Wegbegleiter von Birkeneder. Suttner machte Birkeneders Engagement noch an einem weiteren Beispiel fest: In den 1990er-Jahren habe sie mit dafür gesorgt, dass die Donau zwischen Straubing und Deggendorf nicht gestaut wurde, sondern jetzt sanft ausgebaut worden ist und damit die einzigartige Natur an dem Fluss weitgehend erhalten blieb.

Unterstützung von Wissenschaftlern

Zu diesem Zweck hatte sich Birkeneder umfassend und tiefgründig informiert und sich wissenschaftlichen Beistand geholt. Ihr damaliger Ansprechpartner war unter anderem der bereits verstorbene Prof. Dr. Hans Helmuth Bernhart, spezialisiert auf Wasser- und Gewässerentwicklung. Er brachte statt der von der Rhein-Main-Donau-Kanal-Gesellschaft geforderten Staustufen Alternativen ins Gespräch. „Auch durch Maria Birkeneders Initiative hat der Kreisrat dann später einstimmig gegen den zuvor so oft propagierten Ausbau gestimmt“, sagte Suttner.

Außerdem kämpfte Birkeneder für den Erhalt der Hien-Sölde, einem früheren Kleinbauernhaus, das als ältester Blockbau Niederbayerns gilt. Auch hier habe sich Birkeneder wissenschaftlichen Beistand geholt: Mithilfe des damaligen Generalkonservators des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Egon Johannes Greipl, schaffte es Birkeneder, den Wert des alten Gebäudes mit seinen über 600 Jahre alten Holzbalken der Öffentlichkeit bewusst zu machen. „Doch Marias Heimatbegriff ist nicht eng, sie begreift Heimat als Teil eines großen Ganzen“, betonte Suttner. Das zeige sich zum einen daran, dass sie schon früh viel Wert auf einen fairen Handel gelegt habe, der auch die Interessen der Erzeuger in armen Ländern berücksichtige. Birkeneder eröffnete deshalb einen kleinen Laden für fair gehandelte Produkte in Mitterfels. Zum anderen rief sie mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann das ökumenische Donaugebet ins Leben, das in den Sommermonaten am Donauufer bei Oberalteich abgehalten wird. Das Gebet gibt es heute noch. „Der Laden ist mittlerweile überflüssig geworden, weil im Supermarkt in Mitterfels alle fair gehandelten Produkte im Sortiment sind“, so Birkeneder. Auch, dass mittlerweile der Landkreis eine Fairtrade-Woche habe und das Gütesiegel „Fair Trade“ besitzt, sei Birkeneders Verdienst. Sie habe beim „Landrat-Sepp“, so Suttner, da gleich Gehör gefunden. Birkeneder bedankte sich für die „wunderbaren Worte“ Suttners und bei Doris Metzger, die sie seit Jahren unterstützt. Bei all ihren Vorhaben sei sie nie allein gewesen. Immer habe sich bewiesen: „Wenn die richtigen Leute am richtigen Ort zusammenarbeiten, dann kann man viel erreichen.“

 

Die Laudatio für den Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels hielt Kreisarchivpfleger Georg Fisch. Der Verein, der seit über 30 Jahren besteht, befasst sich nicht nur mit der Heimatgeschichte von Mitterfels, Ascha, Haselbach und Falkenfels. Neben dem jährlich erscheinenden „Mitterfelser Magazin“ organisiert der Verein Führungen und Vorträge und weckt damit, so Fisch, das Interesse an Geschichte. Dass sich der Verein aber nicht allein als Geschichts- und Denkmalbewahrer, sondern auch als Chronist der Gegenwart und Ideengeber für die Zukunft verstehe, zeige nicht zuletzt der Untertitel des „Mitterfelser Magazins“, der „gestern, heute, morgen“ lautet.

Alte Postkarten und Dokumente digitalisiert

Vereinsvorsitzende Elisabeth Vogl sagte in ihrer Dankesrede, wie Maria Birkeneder teile der Verein die Liebe zur Heimat. Die wolle man liebens- und lebenswert erhalten. Innovation ist dem Verein wichtig. Gerade hat er mitgeholfen, die Internet-Plattform „wiki.mitterfels.eu“ zu installieren, ständig werden alte Dokumente und Postkarten digitalisiert, um sie so für künftige Generationen zu erhalten. Die Preisverleihung wurde von Anna Peintinger an der Steirischen und Christina Stoiber am Piano und mit Gesang, beide von der Kreismusikschule, eindrucksvoll und thematisch passend gestaltet.


Zweierlei Heimat

Die Verleihung der Josef-Schlicht-Medaille: Zwischen der Jahresabschlusssitzung und dem anschließenden Büfett ist sie ein Höhepunkt im Kreistagskalender. Kein Wunder, dass der Sitzungssaal am späten Montagnachmittag proppenvoll war. Drei Kreisräte, alle Mitglieder der AfD-Fraktion, fehlten aber, was bei den Kreisräten anderer Parteien für Aufregung sorgte. „Das ist respektlos gegenüber den Preisträgern“ und „so was tut man nicht“ war zu hören.

Ein Anruf bei Armin Weidinger, Fraktionsvorsitzender der AfD, schafft Klarheit: „Ich wurde bei meiner Jahresabschlussrede vom Landrat unterbrochen und niemand applaudierte, deshalb haben wir uns entschlossen, gleich nach der Sitzung zu gehen.“ Alles klar, Herr Weidinger.

Aber erinnert so ein Verhalten nicht eher an einen kleinen Buben, der beleidigt in der Pause in der Ecke steht, weil der Lehrer und die anderen Klassenkameraden nicht nett zu ihm waren?

Mit der Josef-Schlicht-Medaille werden Menschen ausgezeichnet, die sich oft über Jahrzehnte für den Erhalt und eine gute Zukunft ihrer Heimat eingesetzt haben. Daran, dass die AfD-Fraktion an der Verleihung nicht teilnahm, wird wieder einmal deutlich, wie weit Rhetorik und Realität bei der AfD auseinanderliegen: Die Fraktion einer Partei, deren Mitglieder so gern und so oft das Wort „Heimat“ und „die Interessen des kleinen Mannes“ in den Mund nehmen, fehlt bei einer Preisverleihung, in der – wie Landrat Josef Laumer in seiner Einführung sagte – „Menschen ausgezeichnet werden, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise um unsere Heimat verdient gemacht haben“. Und die meistens im Kleinen wirken, ohne dass die große Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Den Preisträgern, Maria Birkeneder und dem Arbeitskreis Mitterfels, wird das nicht viel ausgemacht haben. Bernhard Suttner sprach in seiner Laudatio von einem „großen Heimatbegriff, der über die Grenzen des eigenen Lebens weit hinausgeht“. Dieser hat mit dem Heimatbegriff der AfD, der auf Deutschtümelei und Fremdenhass abzielt, so gar nichts gemein. Doch mit dem Boykott der Preisverleihung hat die AfD einmal mehr gezeigt, dass es ihr gar nicht so sehr um den Erhalt der Heimat geht, sondern vielmehr darum, Menschen mit Schlagworten wie „Heimat“ und „Interessen des kleinen Mannes“ aufzuhetzen und für ihre eigenen Ziele, allen voran die Spaltung der Gesellschaft, vor den Karren zu spannen.

Alexandra Beck

 

 

 

Bericht :  Alexandra Beck (SR-Tagblatt, 17.12.2025)