Gelungenes Wagnis - Zeitgenössische Kirchenmusik

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Musik, geschrieben von Komponisten unserer Zeit ist meist professionellen Ensembles, Orchestern und Chören großer Städte vorbehalten. Die Gründe hierfür liegen sowohl in der Komplexität der Werke als auch in mangelnder Akzeptanz seitens des breiten Publikums.

Ohrschmerzende Klangkonstellationen sind nicht jedermanns Geschmack, auch wenn gerade dadurch vorher nie dagewesene Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen werden. Doch es gibt viele Werke zeitgenössischer Komponisten, die weitgehend auf dem Boden der Tonalität bleiben, harmonisch wohltuende Musik, mit dezent eingesetzten Dissonanzen intensiver Wirkung schreiben.

 

Erfreulich, dass der Chor der Heilig Geist Kirche Mitterfels unter der Leitung von Markus Becker sich an kirchenmusikalische Werke der Gegenwart wagte. Ein Wagnis, das in jeder Hinsicht aufging: Hohe interpretatorische und gesangliche Qualität und sehr zahlreiches, begeistertes Publikum in der Sankt Georgskirche Mitterfels.

Filmenthusiasten wird der Name Carl Jenkins ein Begriff sein; hat dieser 1944 geborene Engländer doch für seine Filmmusik ein "Oscar" erhalten'. Weniger bekannt ist sein kirchenmusikalisches Schaffen. Anlässlich des Konfliktes im Kosovo schrieb er seine "Missa armed man". Teile dieser Missa bildeten den Schwerpunkt des Kirchenkonzertes in St. Georg in Mitterfels, das der Verkehrs- und Kulturverein, Mitterfels mit dessen Vorsitzender Sigrun Baumann veranstaltete.

 

Gleich zu Beginn überraschte der Chor nicht nur durch seine stimmliche Ausgewogenheit, der Homogenität des Klangbildes, sondern auch durch seine interpretatorischen Feinheiten, aus denen die "Handschrift" von Markus Becker deutlich hörbar war. Aus dem Sopransolo im "Kyrie" wächst durch den einsetzenden Chor ein Klanggebäude hoher Intensität, ähnlich dem "Sanctus". Ehrfürchtig, in piano beginnend, sich Takt für Takt steigernd, mündet es fortissimo im "Hosiannah". Der Chor der Heilig Geist Kirche arbeitete diese Dynamik höchst feinfühlig aus, ohne der Versuchung zu erliegen, im Schlussteil übermäßig laut zu werden ..

Mit der Solistin Sabine Trageser hat der Chor eine hochkarätige Sopranistin, die je nach Erfordernis mit weicher-lyrischer Stimme in pianissimo als auch mit kristallklarem Sopran in forte mit größtem Wohlklang "In Paradiso" aus dem Requiem von Carl Jenkins sang. Im Duett mit Markus Becker, Tenor begeisterte Sabine Trageser im berühmten "Pie Jesu". von Andrew Lloyd Webber mit größtem Einfühlungsvermögen. Dezent den Chorgesang unterstreichend und präzise die Tempi gebend, das Klavierspiel von Elisabeth Rickl.

Das Konzert des Chores der Heilig Geist Kirche unter der Leitung von Markus Becker, die Sopranistin Sabine Trageser und die Pianistin Elisabeth Rickl und nicht zuletzt das zahlreiche Publikum in der Sankt-Georgskirche lieferten einmal mehr den Beweis, dass auch abseits der Metropolen Preziosen der Musik der Gegenwart erkannt und gewürdigt werden.

 

Bericht und Bild : Theodor Auer (SR-Tagblatt, 17.6.2013, Kulturszene)