Im Kittchen ist kein Zimmer frei - Das ehemalige Gefängnis wird noch immer benutzt-von Fledermäusen

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Im Kittchen ist kein Zimmer frei - Das ehemalige Gefängnis wird noch immer benutzt - von Fledermäusen


"Alle Räume sind belegt", freut sich Bürgermeister Heinrich Stenzel, "nichts steht hier leer." Er ist heute sozusagen der Hausherr der Anlage. Die Mitterfelser Burg entstand als Fronfeste um 1200 unter den Grafen von Bogen. Im 18. Jahrhundert wurde in den Burgzwinger ein Gefängnis eingefügt. Es gehörte zum Pflege- und Landgericht und bis 1948 zum Amtsgericht Mitterfels. Seit 1982 ist in den Zellen ein Heimatmuseum untergebracht. Aber auch das Verlies kann besichtigt werden. Wenn die Touristen in den Wintermonaten rar werden, ziehen andere Gäste ein: Fledermäuse.

Jedes Jahr überwintern mehrere Tiere. Das Klima gefällt ihnen. Und sie können ruhig träumen; so ist ihr Lebensrhythmus. Die Langschläfer logieren hier zwischen Ende September und Ende März. Museumsbesucher kommen in der Zeit nicht. Das Verlies ist eines der wenigen Winterquartiere im Landkreis. Im letzten Jahr wurde von den Tieren auch der baufällige Lagerkeller daneben gebraucht.

Akrobaten der Lüfte

Es handelt sich um Graue Langohren, Plectocus austriacus. Das sind Fiedertiere. Sie sind die einzigen Säugetiere der Welt, die richtig fliegen können. Die vorderen Extremitäten haben sich im Laufe der Evolution zu Flügeln entwickelt. Fledermäuse gelten in vielen Teilen der Welt als Glücksbringer.

Sie zählen mit ihrer 5,1 Zentimeter Kopf-Rumpf-Länge zu den mittelgroßen Arten. Dazu kommt mit 3,6 Zentimeter die bewegliche Schwanzflughaut. Die Tiere flattern langsam. sind dafür aber sehr wendig. Ihre Flügelspannweite misst dann etwa 27 Zentimeter. Das Fell ist relativ lang. Der ganze Körper und die Flughäute erscheinen grau. Die Unterseite hellgrau. Auffallend ist die dunkle Maske um die großen Augen. Sie wiegen gerade mal fünf bis 13 Gramm. Besonderes Kennzeichen sind die sehr großen Ohren. Normal ist eine Länge von etwas über vier Zentimeter.

Und die brauchen sie auch: Sie haben zwar Augen, orientieren sich aber mit Hilfe der Echoortung. Sie senden Schallwellen aus, deren Reflektion ihnen Hindernisse oder Insekten zeigt. Dementsprechend können sie dann reagieren. Die Hauptfrequenz liegt mit etwa 40 Kilohertz (kHz) im Ultraschallbereich. Der Mensch hört erst richtig unter 18 kHz.

Das hiesige Verbreitungsgebiet reicht von der Donauebene in die mittleren Höhenlagen des Falkensteiner Vorwalds im Norden und das vordere Donau-Isar-Hügelland im Süden. Beim Grauen Langohr handelt es sich um eine Wärme lie­bende Art. Von April bis September lebt sie tagsüber in Quartieren von Gebäuden. Dazu gehören offene Dachböden und Speicher, aber auch große Spalten und Balkenzwischen­räume. Sie ist eine ausgesprochene Hausfledermaus. Größere Waldbe­stände meidet sie.

Fasten im Winter

Mit Beginn der Dämmerung und während der Nacht ist sie aktiv. Dann jagt sie Insekten. Die Beute wird vorwiegend im freien Luftraum mit der Flughaut gefangen. Sie fliegt in Höhen von 0.5 bis 10 Meter. Oft kann man sie an Straßenlaternen beobachten. Dabei werden F1uggeschwindigkeiten zwischen zehn und 30 Kilometern in der Stunde erreicht. Die Nahrung nimmt sie dann sofort oder an besonderen Fraßplätzen zu sich. Im Herbst werden daraus die Fettreserven für den kommenden Winter.

Im Spätherbst und Winter nutzen die Fledermäuse gerne dunkle Räume. Keller, Bierkeller, Stollen, Bunker. Höhlen und Erdlöcher als Quartier. Sie halten dort Winterschlaf und verringern dabei erheblich ihren Stoffwechsel. Graue Langohren hängen frei an der Wand, mit dem Kopf nach unten. Meistens einzeln. seltener in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Tieren. Die Ohren verstecken sie unter den Flügeln. Dann zehren sie von den angefressenen Fettreserven.

Vorher ist Paarungszeit. Im darauf folgenden Mai bringen die Weibchen ihr Junges zur Welt Die Geburtsstätte wird zur Wochenstube umbenannt. Die Tiere können ein Höchstalter von 25,5 Jahren erreichen. Langohren sind ortstreu und lieben keine größeren Wanderungen. 20 Kilometer zwischen Sommer- und Winterquartier sind die Regel. (62 Kilometer das bisher ermittelte Maximum.

Nur frost- und zugfrei sowie feucht und zugänglich müssen die Quartiere sein. Erforderlich sind gleichmäßige Temperaturen von mindestens 2 Grad Celsius. Oft reicht ein vier Zentimeter breiter Spalt. Aber heutzutage werden Bierkeller und Erdkeller leider gar nicht mehr benötigt", fügt der stell­vertretende Vorsitzende der Kreis­gruppe des Landesbunds für Vogel­schutz in Bayern, Verband für Ar­ten- und Biotopschutz, Claus-B. Weber hinzu. Er ist einer der im Landkreis ehrenamtlich tätigen Fle­dermausbetreuer. Jedes Jahr steigt er ins Verlies hinunter und kontrol­liert den Fledermausbestand. „Die Unterkunft ist nicht besonders groß. Aber immerhin. Wenn es in der Ge­gend doch nur mehr gäbe."

Erste Hilfe heißt Schutz

Die Bestände des Grauen Lang­ohrs gelten in Bayern als gefährdet und bedürfen erhöhter Aufmerk­samkeit. Alle Fledermäuse stehen europaweit unter Schutz. Fleder­mause beherbergende Hauseigentü­mer können froh darüber sein, dass solche Tiere bei ihnen wohnen. Holzverschalungen, Dacheinde­ckungen oder wie in diesem Fall geräumige Dachböden bieten gern angenommene Verstecke. Ihre un­übersehbaren Hinterlassenschaften sind trocken. greifen nicht das Holz an und eignen sich hervorragend als Dünger.